Die Chronik aus unserem Dorf
Schwabegg - ein Dorf mit rund 750 Einwohnern im Landkreis
Augsburg. Für Schwabegg dürfen wir diese Rückschau mit um so
größerer Berechtigung vornehmen, als die Burg Schwabegg nicht nur
der Gemeinde, sondern für ein halbes Jahrtausend auch einem
Herrschaftsgebiet den Namen geliehen hat, Dieses Gebiet
erstreckte sich als sogenannte Grafschaft Schwabegg zur Zeit
ihrer größten Ausdehnung im 17. und 18. Jahrhundert von der
Gennach westwärts bis an den Scheitel des Höhenrückens bei
Mattsies und dehnte sich von den Wäldern um Hilpoldsberg im
Norden bis an den Hartwald bei Wörishofen.
In einer Urkunde erscheint der Name des Ortes erstmals 1110 als
"Wernher de Swabeiko" genannt. Er gehört zu dem Adelsgeschlecht
das spätestens seit 980 die Vogtei (Schutzherrschaft) über die
Augsburger Bischofskirche ausübt. Beim Aussterben der Schwabegger
1167 kam die Burg an die staufischen Könige und - nachdem sie
1208 durch den Augsburger Bischof zerstört worden war - 1268
infolge des Aussterbens der Staufer an die Herzöge von Baiern.
Was damals von ihnen in Schwabegg erworben wurde, verzeichnet das
zweite Herzogsurbar um 1270: Die Burg, 2 Baumgärten unterhalb der
Feste, 1 Obstgarten, 1 Hofstatt, die Mühle und Wiesen, von denen
man 100 Fuder Heu wegfahren konnte. (1420 ist auch das auf damals
1000 Jauchert geschätzte Burgholz als zur Feste gehörend
aufgeführt).
Die Burg wird in den folgenden Jahrzehnten Mittelpunkt der sich
allmählich bildenden bayerischen Herrschaft Schwabegg. Nach der
Zerstörung 1372 wieder aufgebaut, wurde sie im Bayerischen Krieg
1422 erneut, wenn auch nur teilweise demoliert. Hierher schleppte
der Burgmann Hartnid von Rammingen den Abt Johannes vom
Donauwörther Kloster Hl. Kreuz. Hartnid war gegenüber der Stadt
Donauwörth und dem Kloster verschuldet und stand im Krieg auf der
Seite Herzog Ludwigs gegen die Reichsstadt. Der Abt wurde auf
Ehrenwort freigelassen, dann wieder nach Schwabegg zurückgeholt,
schwer mißhandelt und durfte erst nach Bezahlung eines hohen
Lösegeldes wieder nach Hause zurückkehren.
Die Schwabegger Burg wurde nicht mehr instandgesetzt. Das Salbuch
der Herrschaft Schwabegg für 1491 zählt im Dorf Schwa-begg auf:
den Kirchensatz, den Maierhof, 4 Sölden und 3 Garten. Auch das
Kloster Rottenbuch konnte später hier 1 Hof und 1 Sölde erwerben.
Die erfolgreiche Durchsetzung von Herrschaftsrechten bei
gleichlaufenden Interessen anderer Konkurrenten jedoch erforderte
Energie, Geschick und oft rücksichtslosen Machtgebrauch.
Die Herrschaft Schwabegg wird gerade in der zweiten Hälfte des
18. Jahrhunderts in den Akten meist als "Pfleggericht"
bezeichnet, was später den Titel "Landgericht" bezeichnet
wurde. Wobei Schwabegg bis zur heutigen. Zeit im Landgericht
Türkheim vertreten war.
Um 1810 waren im Ort an Handwerkszweige: 1 Bäcker, 1
Branntweinbrenner, 1 Hucker, 1 Hufschmied, 1 Müller, 1 Sattler, 2
Schneider, 1 Schreiner, 2 Schuster, 5 Weber, 1 Wirt.
Durch die vielen Kriege mußten die Einwohner viel Not
durchstehen. Deshalb die Sage:
"Z'Schwabeck isch Katz en d'r Schublad verröckt, sie hot koi
Bröckala Broat meah g'schmöckt."
Die Pfarrei - wahrscheinlich eine Gründung der Edelfreien von
Schwabegg - bestand schon frühzeitig unter dem Patronat der
Herrschaft. Seit dem Spätmittelalter wurde sie mit benachbarten
Pfarreien wie Konradshofen und Klimmach zusammengelegt. 1627
wurde der Pfarrsitz nach Klimmach verlegt, 1667 der Pfarrei
Konradshofen mit der Auflage zugeteilt, einen Hauskaplan zu
besolden, der jeden Sonn- und Feiertag im Ort den Gottesdienst
feiern sollte. 1774 nahm der Konradshofer Kaplan seinen Wohnsitz
in Schwabegg. 1843 wurde der Ort Kuratie, 1876 Expositur mit
allen pfarrlichen Rechten und 1947 wieder zur Pfarrei (erreicht
durch den jetzigen Geistl. Rat Hermann Schwenger) erhoben. Bis
1921 gehörte Schwabegg zum Dekanat Kirchheim und bis 1948 zum
Dekanat Walkertshofen und ab 1948 zum Dekanat Schwabmünchen.
Die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt ist ein neugotischer Bau aus
dem Jahr 1872 (Architekt Max Treu, Augsburg). Auf dem "Weinberg"
in beherrschender Lage über dem Ort erhob sich die Burg der
Edelherren von Schwabegg. Zu Füßen des hohen Spitzkegels, auf dem
die Hauptburg stand, finden sich Reste von Ziegelmauerwerk. Eine
zweite, wohl frühmittelalterliche Befestigungsanlage liegt
ca. ein Kilometer südwestlich des Dorfes auf dem "Wannberg".
Sohwabegg gekennzeichnet von viel Not und Armut durfte aber im
heutigen Jahrhundert auch erfreuliche Tage erleben. So konnten
von 1910 bis 1964 6 neu geweihte Priester in unserem Ort ihre
Primiz feiern.
Krieg - Was birgt dieses Wort alles in sich? Tod, Leiden,
Schmerzen, Not und Elend! Alle Belastungen des Krieges standen in
keinen Verhältnis zu dem Schmerz, der immer mehr Familien
erfaßte, wenn die Nachricht vom Soldatentod eintraf. Unter den
rund 6 Millionen gefallenen deutschen Soldaten der beiden
Weltkriege sind von Schwabegg 1914/18 18 Soldaten, 1939/45 55
Gefallenen und 21 Vermissten (einschl. der Heimatvertriebenen) zu
verzeichnen. Beim Näherrücken der alliierten Truppen wurden die
Konzentrationslager (KZ) evakuiert. Viele der einfachsten Hygiene
entwöhnten einstigen "KZler" waren mit ihrem verschmutzten und
verlausten Kleidern Träger gefährlichen Seuchen. Schon in Mai
1945 erkrankten und starben die ersten Ausländer an
Flecktyphus. Die gefährdete Bevölkerung konnte nicht wirksam
geschützt werden. Besonders betroffen waren die Bewohner von
Schwabegg und Leuthau. Drei Gemeindebürger sind der Seuche zum
Opfer gefallen. Nach dem schrecklichen Krieg setzte der
Flüchtlingsstrom ein und viele Heimatvertriebene konnten in
Schwabegg eine zweite Heimat finden.
Die Bevölkerungstatistik zeigt am 17.5.39 640 Einwohner, am
15.9.50 852 Einwohner.
1948 löste die "Deutsche Mark" die "Reichsmark" ab und mit 40
Deutsche Mark (Kopfgeld) begann die Normalisierung der
Lebensverhältnisse. Wenn auch unsere Gemeinde noch immer als eine
finanzschwache Gemeinde dasteht, so hat sie doch in der
Aufwärtsentwicklung Schritt gehalten. Angefangen von Beschaffung
der Kirchenglocken über Friedhoferweiterung, Leichenhausneubau,
Dorfkanalisation, Ausbau der Gerneindestraßen, Flurbereinigung
und z. Zt. der Bau der Wasserver-sorgung durch Zweckverband der
Staudenwasserversorgung.
Landwirtschaft - Der technische Fortschritt wurde auch im Ort
Wirklichkeit. Durch, die Mechanisierung wurde das Arbeitspferd
verdrängt und am 15.5.1970 nahm die Mühle Grotz von ihrem letzten
Pferd (zugleich das Letzte im Dorf) Abschied.
Seit 1.11.1937 wird durch die Kraft GmbH, Schwabmünchen unsere
Milch abgeholt und verarbeitet. Die enorme Entwicklung der
Milchleistung in den letzten 19 Jahren zeigt die folgende
Aufstellung:
1956 von 89 Milchlieferanten 645 570 kg Milch
1967 von 68 " " 1 504 895 kg Milch
1974 von 47 " " 1 896 205 kg Milch
an die verarbeitete Industrie abgegeben.
Reformen - Schon bereits 1964 wurde in der Gemeinde mit Reformen
begonnen. Denn die Verschmelzung der Raiffeisenkasse am 8.10.1964
mit der Raiffeisenbank Schwabmünchen war der Anfang.
Herbst 1969 mußten wir die Schule aufgeben und in einigen Jahren
wird die Aufläsung der Gemeinde anstehen.
Wenn auch die Gebietsreform so manches verändert, so befinden
sich noch im Ort u.a. 1 Bank (Zahlstelle), 1 Bäcker, 1
Elektrogeschäft, 1 Metzgerei mit Gaststätte, 1 Sägewerk, 1 Mühle
als Mehl- und Futtermittelhandel, 1 Schmiede, 1 Schreiner, 3
Lebensmittelgeschäfte und ein bewirtschaftetes Sportheim.
Allgemein - um Staat und Volk hat sich die noch lebende Hebamme
Maria Dölle durch ca. 3200 Geburten verdient gemacht. Wofür ihr
1971 das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde.
Sport - Auch im Sportsektor ist unser Ort nicht unbekannt
geblieben:
Im Luftgewehrschießen "Damenklasse" gingen 1974 als "Deutsche
Vizemeisterin" Rita Engel, als "schwäbische Vizemeisterin
Annemarie Dölle hervor.
Der Fußball-Sportverein konnte 1973 in der C-Klasse den Meister
erkämpfen.
Nachwort
Aus Zeitmangel war es mir leider nicht möglich, ausführlicher auf
die einzelnen Gebiete einzugehen. Mancher Zeitabschnitt ist nur
kurz bzw. nicht gestreift, manches Wichtige fehlt. Trotzdem hoffe
ich, daß die Mühe nicht umsonst war und es zur Liebe und zum
Verständnis unserer engeren Heimat beiträgt.
Nicht zuletzt möchte ich allen danken die mich in dieser Arbeit
unterstützt haben.
M. Schmid
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