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Professor Stauber's
Neuer Führer durch Augsburgs Umgebung
Ausflüge von Schwabmünchen (S. 81,
S. 82):
- Hiltenfinger Keller, 2km.
- Hiltenfingen (3,5 km s.), Post, gute Whsr. H. hatte einst
einen eigenen Adel, auch Bürger und Spital von A., Kloster
Ursberg und die Deutsch-Ordens-Kommende Blumenthal waren dort
begütert.
- Im S. des Marktes über die Singold, dann durch das
Wertachmoos über Wertach und Scharlach 6 km nach dem
hochgelegenen (604 m)
Schwabegg
einer alten Strassenfeste, welche seit langem das lebhafteste
Interesse der Forscher erweckt und eine reichhaltige Literatur
hervorgerufen hat (s. u. a. die Arbeiten von Kaiser, von dem
verdienten Expositus Nic. Durner in Hist. Zeitschrift für
Schwaben und N. Bd. XXIV, 127 ff., von J. Schuster, ebendort XXI,
169 ff.; Zecher, Herrschaft Schw. 1846; Baumann, G. des Allgäus
u. a.).
Heute ist Schwabegg (Schwabenhügel, egg = Abhang, Hügel) ein
Kirchdorf mit Expositur und Schule, 540 Ew., schöne got. Kirche
1871 gebaut, gutes Whs. von Minnholz, liegt prächtig am
w. Abhange des Wertachthales mit herrlicher Aussicht auf dieses
von A. bis Kaufering; es ist nach Art eines mittelalterlichen
Hörigenortes rings um den Hügelkegel des "Weinberg"
herumgebaut. - Durch die w. Höhen und durch Wälder - schöne
Staatswaldungen, im N. Buchen-, im S. Fichtenwald - hat es mildes
Klima, darum blühenden Obstbau; im Mittelalter hatte es
jedenfalls Weinbau, daher der Name des Hügels "Weinberg".
Der "Weinberg" im Dorfe selbst, die "Haldenburg" im nahen
s. Staatswald, beide mit Spuren ausgedehnter Erdwerke, der Name
des Weilers "Königshausen"(2 km n.), zahlreiche Grabhügel und
Hochäcker Schanze nw. im Burgholz, mit ihren Funden an Urnen,
Schmuck und Waffen (s. Durner a. a. O.) - all das zeugt von einer
reichen Geschichte und Vorgeschichte Schwabeggs.
Als die älteste Bau- und Befestigungsstätte von Sch. darf wohl
die im s. Höhenwalde gelegene (keltische?) Erdburg Haldenburg
betrachtet werden: eine Erdbefestigung, quadratisch mit Wall und
Graben und vorgelegtem künstlichem Kegel, noch sehr gut
erhalten. Trotz öfterer Nachgrabungen wurde hier nicht der
geringste Mauerteil blossgelegt, der auf ein massives
Römerkastell schliessen liesse.
In der Römerzeit hatte Schwabegg den Namen Rapis, bezw. es ist
Rapis nach Annahme von Raiser (rapis = Rübe, Form des
Weinberges). Bei Rapis trat die von Augsburg nach Obergünzburg
führende Römerstrasse vom rechten auf das linke Ufer der Wertach,
welche damals ihre Wasser vielleicht weiter westlich, näher bei
Schwabegg, wälzte. In Rapis stand eine römische Besatzung zum
Schutze des Brückenkopfes über die Wertach. Eine andere
Römerstrasse führte von Fischach, Mickhausen, Münster (uralter
Ort) nach Rapis. Aus der Römerzeit ist nach unserer Annahme keine
Ruine dahier erhalten. - Im Mittelalter war Schwabegg Sitz des
Geschlechtes Schwabegg-Balzhausen (Burg), eines mächtigen
Geschlechtes, welches die Bischöflich-Augsburgische Schirmvogtei
(advocati ecclesiae Augustanae) inne hatte; dann hatten die
Schwabegger die Schirmvogtei über den Besitz des Klosters
Steingaden in Siebnach, Niedergeltingen, Irsingen; ferner hatten
sie Richter in Türkheim, Hiltenfingen, Konradshofen, Elenkofen,
Erpftingen, Stopferberg, Scherstetten mit vielen vorgetragenen
Gefällen. Die Zubehörde und Advokatenrechte zur Strassenvogtei
Schwabmünchen, die ihnen zustand, dehnten sich aus über 33
Orte. Werner von Schwabegg stiftete (16. Febr. 1130) das
Prämonstratenserkloster Ursberg. Gisela, Gräfin von
Schwabegg-Balzhausen, ist Stifterin des Klosters
Edelstetten. Adelgolz, frater Werinhard advocati, hat ein Grabmal
in der Kirche St. Moritz in Augsburg. Das eingesessene Geschlecht
der Schwabegger starb aus mit Adelgolz 1162, der wahrscheinlich
in Italien umkam. (Siehe die Poesie dieser Geschichte verarbeitet
in der Klausnerin vom Karrenberge von Fr. Bauberger). Auch später
treten noch Schwabegger in der Geschichte auf, sind aber nur
Burgvasallen. Schwabegg kam als Eigentum an die Herzöge von
Bayern, verlor seine Bedeutung an Türkheim. In späteren
Kriegszeiten wurde Schwabegg hart mitgenommen (30 jähr. Krieg);
es verlor sogar seine pfarrlichen Rechte, so dass heutzutage noch
ein Expositus amtiert. Das spätere Landgericht Türkheim deckte
sich zum grossen Teile mit der ehemaligen Grafschaft (Herrschaft)
Schwabegg. Dem Mittelalter gehört offenbar die noch erhaltene
Ruine auf dem Weinberg, vielleicht der Kopf einer Zugbrücke,
an. Auch die mittelalterliche Ringmauer lässt sich noch ein gutes
Stück verfolgen. Ein Mann, der sein Haus baute (gerade gegenüber
dem oben erwähnten Zugbrückenkopfe), fiel bei den erforderlichen
Ausgrabungen ziemlich tief hinab auf Mannshöhe, wahrscheinlich in
den Anfang eines unterirdischen Ganges, der vom Ende der
Zugbrücke gegen den Schlossberg Scherstetten führte. Niemand hat
aber leider damals diesem Vorkommnis eine Beachtung geschenkt. -
Der Weinberg wird (in Händen von zwei Privatbesitzern) leider
wegen seines zu Bauzwecken geeigneten roten Sandes immer mehr
abgeschunden, weshalb es höchste Zeit wäre, dass edle Menschen
ihn ankaufen würden, um ihn zu bepflanzen und etwa "einen Geist
und Herz in gleicher Weise befriedigenden Kreuzweg hier zu
errichten". Das würde der Weinberg als Träger einer grossen
Vergangenheit und schönster Aussichtspunkt in der ganzen hiesigen
Gegend verdienen.
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